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Pam Pam Ida

Freitag // 24. Januar 2020 // 19:00h

Aus dem beschaulichen Örtchen Sandersdorf mitten in der bayerischen Pampa kommt nun der zweite große Aufschlag des Überraschungserfolgs Pam Pam Ida. Mit ihrem 2017 erschienenen Erstling Optimist begeisterten sie Radiostationen, Kritiker und Fans. Nun kommt das zweite Werk – keine ganz einfach Aufgabe. Zweite Alben werden schließlich generell in Frage gestellt. Ihre Antwort liefern Pam Pam Ida in 13 Songs und einem kurzen Interlude. Sie machen Pop, der an die avantgardistische Tradition der 80er anknüpft: Unterhaltend, aber mit künstlerischem Auftrag. Treibende Nummern fürs Feeling und das Tanzbein, ausladende Albumtracks zum Reinlegen und Gespanntsein. Das Album erzählt vom Loslassen und Zusammengehören. Zumindest vom Zusammengehören-Wollen. Es besingt krankhaften Konsum, das Hadern mit der Realität und den Tod einer Katze. Wie schon auf Optimist verzuckert Sänger Andreas Eckert dem Zuhörer manch bittere Wahrheit mit süßer Ironie. So gut kann Katharsis schmecken.

Pam Pam Ida bedienen beides: Musiknerds, die anhand von Gated-Reverb-Drums Parallelen zu Prince ziehen und Easy-Listeners, die sich einfach dem Gefühl hingeben wollen. Jeder Song auf Sauber ist mit diesen Ebenen ausgestattet. Mächtige four-on-the-floor-Songs wie Anna machen das deutlich. Da wird einerseits etwas ganz Grunlegendes getriggert. Eine Stimmung, eine Identifizierung mit Textinhalten. Das, was Popmusik eben ausmacht. Andererseits bestechen die Arrangements und Kompositionen durch Überlegtheit, reiche Ideen und einer kräftigen Portion Mut. Zu echtem Pop gehört dieser Mut, die strengen Grenzen des Populären auszuweiten.

Pam Pam Ida liefern mit Sauber ein zweites Album ab, das den Titel Nachfolger verdient hat. In Songs wie Kumm her! knüpfen sie an den Stil des Vorgängers an, legen aber noch mehr Gewicht auf ihre Mission: Der Popmusik ihr progressives Element zurückzugeben. Die komplexen Arrangements und vielfältigen Soundwelten genügen dem künstlerischen Anspruch genauso wie der Leichtigkeit von Pop. Zwischen stylischen 80er-Drums, neuentdeckter Liebe für Saxophonsoli und feinstem Streichereinsatz bietet Sauber treibende Unterhaltung genauso wie elegische Tiefe. Dass es sich dabei um bairische Texte handelt, ist vor allem als musikalischer Ausdruck zu verstehen. Die Sprache fügt den Werken ihren ganz eigenen Klang hinzu. Pam Pam Ida kann man nämlich beides: Fühlen und verstehen.

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